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MKH / MWH Mopedanhänger M1.1

Nachdem Ende Januar 2011 der Plan feststand, mir meine Schwalbe aufzubauen, war auch ziemlich schnell klar, dass der Blechvogel einkaufs- und hundetauglich gestaltet werden muss. Klar, ein Duo (dreirädriger, zweisitziger DDR-Krankenfahrstuhl mit schwalbenähnlicher Optik) wäre schon geiler gewesen, aber vom Platzbedarf her für mich derzeit völliger Unsinn. Das Duo hatte eine feste Frontscheibe, ein abnehmbares Verdeck, auf Wunsch Türen und Beindecke. Die Superluxusvariante kam mit einem festen Leichtdach und richtiger Verglasung rundum, was ich aber nur im Winter als Vorteil sehe. Aber ich schweife schon wieder ab...

 

Die Schwalbe braucht also eine Möglichkeit, etwas zu transportieren. Das hatten sich die Leute in der DDR wohl auch schon frühzeitig überlegt und so gibt es einen Anhänger, der für die Schwalbe entwickelt und typgeprüft worden war. Hergestellt wurde der MKH/M1 im Volkseigenen Betrieb Metallwarenkombinat Heldrungen (später als MWH ohne das "Kombinat") und vollständig aus Blech, Flachmaterial und Rohr, das abschließend feuerverzinkt wurde. Es gab die gleichen Anhänger als Fahrradanhänger (ohne Fahrgestellnummern und mit schwächeren Rädern), sowie mit Blinkern für andere Mopeds zugelassen. War schließlich alles streng reglementiert in der DDR. Lächelnd

24.07.2011 - Papiere beim KBA beantragt

27.07.2011 - Betriebserlaubnis ist da!

Da steht zwar jetzt als Typ MKH statt MWH drin, aber die Fahrgestellnummer stimmt. Das sollte ja bei einer Kontrolle gar keine Probleme geben können, außer dass der Papieraufkleber stärker bewertet wird als die vor dem Verzinken eingeschlagene Nummer.

 

Alle fahren anhängerisierte Kleinkrafträder mit nicht bauartgeprüften Anhängern und Anhängerkupplungen ungesühnt durch die Lande, so dass ich mir mit meinem Übereifer und vorschriftsmäßigen Papieren und Schnickschnack schon regelrecht spießig vorkomme. Dabei war es doch nur die Sehnsucht nach noch mehr Fahrzeugpapieren in der Schublade... Zwinkernd

11.11.2011 - Anhänger wird gebraucht...

Alles hat sich leicht verändert, wie so oft in meinem Leben. Somit ist der Anhänger für die Schwalbe in der nächsten Zeit nicht nur ein Spielzeug, sondern muss sich etwas Brot selbst verdienen. Vorher füttere ich ihn aber nochmal ordentlich.

Er geht ja derzeit sozusagen doch eher auf dem Zahnfleisch... Also bekommt er neue Räder.

 

Neue Naben sind fällig, eine hat schon gefressen, die andere ist sicher auch nicht mehr frisch. Egal, zwei neue Naben kosten ja nun wirklich kein großes Geld. Wäre ja auch alles gut verlaufen, wenn mir nicht die Edelstahlspeichen vor die Augen gekommen wären. Sehr schön, wenn ich eh umspeichen muss.

Ach ja, Reifen wären auch mal angesagt.

 

Dies war dann der Zeitpunkt, gleich auch neue Felgenringe zu ordern. Dann brauche ich die alten Räder gar nicht ausspeichen, sondern baue einfach neue. Für's gleiche Geld hätte ich komplette Räder fertig eingespeicht und montiert haben können, aber durch meine nach-und-nach-Bestellung bei verschiedenen Shops halt nicht...

Was soll's, das ist doch eine nette Arbeit für die warme Stube... Brüllend

 

Lachend

(Ja, ich weiß dass ich die Bestellungen hätte stornieren können ohne dass Kosten entstanden wären, aber so liest es sich viel schöner und ich habe etwas zu schreiben... Zwinkernd)

26.03.2012 - Kastenaufbau

Um meinen Hund sicher und trocken zu transportieren, brauchte ich einen Kastenaufbau für den MWH/MKH M1. Er sollte möglichst leicht werden, wasserfest, einfach, stabil, nicht zu kacke aussehend und möglichst vielseitig nutzbar. Oha, noch mehr Wünsche als mit einem Überraschungsei abgedeckt werden könnten - und auch noch die falschen. Na gut, das Leben ist kein Ei.

 

Zum Glück ist der Kopf wenigstens auch rund, so kann das Denken seine Richtung ändern. Tat es auch. Ich hatte ja schon etwas mit Siebdruckplatten und mit Sperrholz Holzbau geübt, dieses Mal wollte ich beides kombinieren. Die Wahl fiel auf 4mm Filmplatten. Leim kam daher nicht in Frage, die Filmbeschichtung hätte ihn nicht aufgenommen. Also wieder mal MS-Polymer, das es gerettet hat. Als Winkel nahm ich (wie im Düdo) 20er 4-Kant-Leisten aus Fichte/Kiefer. Die Auflager auf dem Kastenrand sind Hartholzstücke, die hier noch herumlagen.

Die seitlichen Plexiglasfenster sind absichtlich relativ schmal ausgefallen, um Freund Hund eher in den vorderen Teil des Anhängers zu locken, was für die Gewichtsverteilung gut ist. Das Fenster nach vorne ist auf Liegehöhe gedacht, wobei ich im Nachhinein stark bezweifle, dass mein Hund sich da drinnen hinlegen wollen würde, jedenfalls während der Fahrt. Egal, Reklamationen kann er schriftlich bei der Geschäftsleitung einreichen.

 

Die Rückwand des Anhängers musste ich leider auftrennen, ging nicht anders. Da muss sogar noch eine Rampe dran, weil mein Rheumahund sich sonst beim Ein- und vor allem beim Aussteigen weh täte. Den Ausschnitt hebe ich mal auf, aber einschweißen werde ich den wohl eher niemals mehr...

Ich habe heute die erste Probefahrt (natürlich ohne Hund) mit dem neuen Kastenaufbau gemacht. Den Deckel hatte ich ab gelassen, der wäre mir ja doch nur hinderlich gewesen, weil ich ihn in Ermangelung stabiler Scharniere ziemlich unelegant mittels eines Spanngurtes hätte festzurren müssen... *grummel* (Ich hatte Scharniere mitgenommen, aber die waren mir dann doch zu klein und zu lummelig gewesen.)

Nicht minder trottelhaft sieht es übrigens bei einem Deckel mit Scharnieren aus, wenn man selbigen nicht "zwangs-auf" befestigen kann. Irgend ein sperriges Ding soll in den Anhänger und der Deckel ist dauernd im Weg. Ich könnte da jetzt lustige Anekdoten von meinen jungen Fahrradanhängerzeiten erzählen und das letzte Bisschen von mir auch noch durch den Kakao ziehen. Mache ich aber nicht, das hebe ich mir für's Lagerfeuer auf... Zunge raus

 

Probefahrt verlief absolut unspektakulär - ach doch, ich musste zweimal nach Heßheim fahren, weil beim ersten Versuch meinen Geldbeutel in der Küche hatte liegen lassen. Also doppelte Probefahrt sogar...

Klappert und rappelt ziemlich heftig, die ganze Geschichte. Beladen mit 9kg Cola ganz vorne im Kasten war dann, was das Klappern angeht, Ruhe eingekehrt. Und das Blechgerappel ist vermutlich einfach nur von der Schwalbe und wird jetzt lediglich von der Anhängerwand reflektiert. Ich hatte es vorher schlichtweg nicht gehört, weil das, was die kurze Wand des Anhängers bisher zurückgab, bis jetzt einfach im Blechgeschepper des offenen Anhängers untergegangen war. Die filzgelagerten -oder überhaupt- Seitenwandaufsätze dämpfen das ganz hervorragend.

 

Die Radlager des linken Rades sind hinüber, aber sowas von! Ich sollte vielleicht endlich mal die neuen Räder an den Start bringen...

 

Ich hatte nach dem Einkaufen das Gespann im Hof stehen lassen, meine Einkäufe verstaut. Freund Hund erwartete indes eine leckere Zuwendung. Oooh, die muss er sich aber mit mehr verdienen als nur das Sofa nicht zu fressen (- ist ja eh seins). So legte ich ihm etwas Gutes ziemlich weit vorne in den Anhänger. Alles wackelt, alles klappert, überhaupt nicht Hundis Welt. Erst versuchte er einen anderen Weg zu finden, um dieser Unsicherheit zu entgehen. Dank des fehlenden Deckels konnte ich ihm immer gut zureden, dass dieses Rätsel ein lösbares darstellt, nur eben Überwindung kostet und Vertrauen fordert. Und er hat sich überwunden - und so lang gemacht wie er nur konnte, um nur ja nicht ganz da rein zu müssen... Lachend

Okay, die fehlende Aufstieghilfe tat ihr übriges, aber als Ausgleich habe ich den Anhänger gestützt, um das Gewackel auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Trotzdem kamen mir Zweifel, ob der Anhänger nicht doch zu schmal für meinen Hund ist. Aber das muss ich abwarten, ob er sich wie ein Pferd vorwärts rein und rückwärts raus bugsieren lässt oder ob er sich da drinnen doch umdrehen kann. Soll ja kein Platz zum Toben sein, sondern zum Transport. Und Kiste kennt und mag er ja eigentlich... Wird schon, wird schon.

Erst eine Erfolgsmeldung: Mein Hund passt in den Anhänger und kann sich auch relativ problemlos umdrehen, er demonstrierte es beim Spielen. Rein, den Ball geschnappt (der natürlich rein zufällig irgendwie da rein "gefallen" war), mit einer recht eleganten Sitzdrehung wieder Richtung Start-/Landebahn positioniert und ab dafür. Das Ganze hatte etwa 2 Sekunden gedauert... Lächelnd

 

Genug gespielt. Ich weiß nicht wie viele Stunden ich mit den Rädern hantiert habe. Immer wieder in die falschen Löcher, statt 3-fach gekreuzte Einspeichung zwischendrin immer mal wieder ein Pärchen mit 2-fach Kreuzung. Eierte natürlich wie die Sau und ein paar Speichen schienen zu lang zu sein. Beim anderen Rad viel besser, da war alles 2-fach gekreuzt eingespeicht. Ließ sich nicht spannen, alle Speichen zu lang, oh Wunder... Lachend

 

Dafür laufen sie jetzt schön und der Anhänger nähert sich mit Riesenschritten der Nutzbarstellung. War mit ihm vorhin in FT und habe Getränke geholt. Und Scharniere. Und Holz für die Seitenverkleidungen. Und Düdo Scheibendichtungen. Und 3 Dieselventile.

Die Schwalbe schwächelt dafür, zieht irgendwie nicht mehr richtig... Stirnrunzelnd

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Ich höre gelegentlich, dass ich ein seltsamer Vogel wäre. Aber Würmer mag ich trotzdem nicht. Früh aufstehen auch nicht, aber ich bin einfach jetzt nur so spät dran, dass es nur nach früh aussieht. In Zahlen bin ich gegen 2 Uhr morgens aufgestanden, futtern, gassinieren, E-Mail tippen, dann raus in die Werkstatt.

 

Die Scharniere für den Deckel war die erste Amtshandlung. Gar nicht so einfach, den Deckel zu halten und gleichzeitig das Scharnier, und dabei auch noch anzuzeichnen, wo ich die Löcher vorbohren muss. Für diese Umstände -und meine Hände- sitzt der Deckel perfekt! Zunge raus

Zur Krönung hatte ich beim Suchen nach irgendwas in einer der Kleinkramkisten Federmechaniken von den Schränken des Hymer gefunden. Davon nahm ich jetzt 2 Stück und verbaute sie als Deckelaufhalter und Öffnungsanschlag. Geil, aktives Recycling, wird alles wiederverwendet...

Die Rampe bekam ebenfalls Scharniere, Leisten als Rutschschutz und eine schlankere Form. Letztere machte eine Verstärkung gegen das Verbiegen sinnvoll. Wenn mein Hundi da erst ein paarmal rein und raus gekrabbelt ist und begriffen hat, wozu das alles gut ist, wird er den Anhänger lieben, so schätze ich mal.

Zuerst habe ich einen Klotz geschnitzt, der als Anschlag für die hochgeklappte Rampe dienen würde. Dann bekam er ein Loch, in das ich eine Metallhülse steckte. Diese sägte ich hinten mehrfach ein und spleißte sie auseinander. Dann bekam das Ganze von hinten noch ein paar Schläge mit dem Hammer, so versank die Hülse mit ihrem "Haltestern" im weichen Holz. Hält bombenfest, ohne Klebekrams. Jetzt noch ein Löchlein und ein Dauersplint, passt.

 

Den Blechkasten wollte ich innen noch gemütlich machen, er sollte weniger blechern klingen und sich auch ebenso anfühlen. Eine beteppichte Bodenplatte und drei dazu passende Seitenverkleidungen sollten entstehen. Als Basis suchte ich mir 6mm Pappelsperrholz heraus. Teppich lag noch hier, er sollte eigentlich als Schrauberunterlage enden und die winterliche Bodenkälte mildern, fand aber jetzt -zumindest stückchenweise- eine viel edlere Verwendung. Ich legte den Teppich einfach auf die Platten und vertackerte ihn von hinten mit 8er Klammern. Die Bodenplatte liegt jetzt rundum auf Anschlag drin, während die Seitenteile mit ein paar Klecksen SMX-Polymer ans Blech geklebt sind. Ich hab die Klebstellen ganz außen auf den Teppich gesetzt, dann kann es mir egal sein wenn sich die Tackerklammern lösen, weil der Teppich die Verkleidungen hält...

Was fehlt noch:

  • Lufteinlässe seitlich oben
  • Zuhalte für den Deckel
  • Absenkbarer Stützfuß hinten

Da hatte ich so einen schönen Text von der ersten Ausfahrt (am 2.) zum Lambsheimer Weiher geschrieben, ihn aber dann vor lauter Multitask vergessen abzuspeichern. Tja, da haben wir wohl Pech gehabt. War nicht das erste Mal dass etwas verloren geht, wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein.

 

Die zweite Fahrt (am 3.) ging querfeldein über diverse Feldwege und manchmal auch ohne. Die netto Gassistrecke habe ich gegoogelmapt, der Hinweis auf das Fehlen von Gehwegen ist durchaus ernstzunehmen. Einmal ist der Anhänger ins Kippen gekommen (ohne Hund drin! - der hat Beine und sie gerade benutzt), das war allerdings auch quer zum Hang und auf einem holperigen Wiesenweg. Ansonsten macht die Kiste das alles brav mit, trotz des Minimaltempos war das alles ja schon Strapaze für's Material. Das Rücklichtlämpchen hat es nicht überlebt, blöd für die Heimfahrt im Dunklen, aber sonst alles okay. Der Schwalbe ging die hintere Mutter vom Trittbrett links verloren und die Kickstarterschraube hat sich losvibriert, Anschieben war angesagt. Wir sind aber problemlos nach Hause gekommen, per Straße (größtenteils Unschuldig) und mit verladenem Hund.

Kommentare zu dieser Seite

Kommentar von Claudia | 2012-04-02

Petsi, das ist genial! Fleißbärchen, du.
Notiz an mich: Mokickhabenwill.